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DIGITALE UNTERNEHMEN BRAUCHEN VERNETZTE STRUKTUREN

Artikel von Michael Rundshagen

Die Digitalisierung erfordert schlanke Strukturen und eine Organisationsform, die auf Zusammenarbeit ausgelegt ist.


Flache Hierarchien und vernetzte Strukturen sind ein häufiges Merkmal digitalisierter Unternehmen. Ihre Organisationsform ist auf Agilität, Flexibilität und intensive interne Zusammenarbeit ausgelegt. Zugleich ist dies eine angemessene Reaktion auf die Notwendigkeit, sich einem permanent wandelnden Anforderungs- und Wettbewerbsumfeld stellen zu können.

Ein eindeutiges Merkmal von Unternehmen, die in Sachen Digitalisierung weiter fortgeschritten sind, sind ihre flachen Strukturen. Der mittlere operative Bereich dieser Unternehmen kommt mit weniger Hierarchieebenen aus und verfügt stattdessen über viele Mitarbeiter gleichen Ranges, die unterschiedliche Skills mitbringen. Mit ihrem kumulierten Fachwissen können sie mehrere Aufgabenbereiche gleichzeitig abdecken. Über diesen Spezialistenpool lassen sich abhängig von den Anforderungen der jeweiligen Aufgabe immer wieder Projektteams zusammenstellen – ähnlich wie bei einem Netzwerk, das sich flexibel neu konfigurieren lässt.

Die vernetzte Struktur im eigenen Unternehmen ist nichts anderes als das Spiegelbild einer digitalisierten Wirtschaft. Wertschöpfungsketten werden heute industrieübergreifend immer wieder aufgelöst und neu gebildet. Die Grenzen zwischen Kunden, Lieferanten, Partnern und Wettbewerbern verschwimmen. Sie alle schaffen zusammen flexible Ökosysteme, die allen darin vertretenen Parteien Vorteile bringen sollen.

Der deutsche Mittelstand ist es gewohnt, innerhalb solcher Ökosysteme zu agieren. Nur werden diese durch die Digitalisierung noch ein ganzes Stück dynamischer. Wie gut ein Unternehmen in Zukunft in diesen Ökosystemen bestehen kann, hängt letztlich davon ab, wie gut seine Mitarbeiter gelernt haben, innerhalb der eigenen Organisation mit vernetzten Strukturen und Arbeitsweisen umzugehen.

Viele gute Gründe

Flache, vernetzte Strukturen in digitalisierten Unternehmen sind selten Folge von Rationalisierungsmaßnahmen und bedeuten nicht, dass Hierarchien überflüssig werden. Vielmehr geht es um die Abschaffung von Hierarchien, die der digitalen Transformation im Weg stehen. Für eine agilere Organisationsform sprechen vor allem folgende Gründe:

Mehr Kundennähe: Die Wege zwischen Kunden, Produktentwicklung und Management werden kürzer. Veränderte Kundenbedürfnisse werden dadurch schneller wahrgenommen und es kann schneller auf sie reagiert werden.

Schnellere Entscheidungswege: Besonders bei strategischen Entscheidungen muss der Input nicht über mehrere Hierarchieebenen hinweg aufbereitet werden. Das bedeutet auch, dass Entscheidungen nicht mehr über so viele Ebenen durchgesetzt werden müssen.

Mehr Flexibilität: Das ist insbesondere der Fall, wenn in der Produktentwicklung agile Arbeitsweisen zum Einsatz kommen. Letztere lassen iterative Vorgehensweisen zu, sodass Fehler schneller erkannt werden und Richtungskorrekturen einfacher möglich sind.

Bessere Zusammenarbeit: Die Vorteile der neuen Generation an Collaboration Tools kommen erst durch vernetzte Strukturen wirklich zum Tragen. Sie helfen Mitarbeitern über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.

Besser qualifizierte Mitarbeiter: Das Unternehmen hat die Chance, seine Mitarbeiter leichter für neue Aufgaben fortzubilden, wenn diese nicht an bestimmte Hierarchiepositionen gekoppelt sind. Personelle Lücken lassen sich dadurch leichter schließen.

Kommunikation ist alles

Den Kulturwandel einzuleiten, der für die Etablierung neuer Strukturen notwendig ist, ist Aufgabe der Unternehmensführung. Der Erfolg hängt wesentlich von ihrer Fähigkeit ab, dem Personal die unbedingte Notwendigkeit zur Veränderung zu kommunizieren, gleichzeitig aber die Bedeutung und Relevanz des bestehenden Geschäfts zu verdeutlichen. Dazu sind viele Gespräche nötig, um besonders den Mitarbeitern und Managern aus dem mittleren operativen Bereich etwaige Ängste um die eigene Beschäftigung und Position zu nehmen und sie als aktive Förderer des Kulturwandels zu gewinnen.

Die gute Nachricht: Das Gros der Führungskräfte in Deutschland hat verstanden, dass in einer digitalisierten Welt eine vernetzte Zusammenarbeit auf Augenhöhe und über Abteilungsgrenzen hinweg notwendig ist. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Bertelsmann-Stiftung bereits vor zwei Jahren. Dabei war auch den befragten Mitarbeitern bewusst, dass starre Strukturen, Positionen und Rollen einer besseren internen Kooperation im Weg stehen.

Gelingt es dem Management, den Mitarbeitern eine Perspektive innerhalb eines neu strukturierten Unternehmens aufzuzeigen, wird die Basis den Wandel unterstützen. Der von oben angeordnete Kulturwandel kann eine starke Bottom-up-Komponente bekommen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Unternehmensführung selbst stets Offenheit und Kommunikationsbereitschaft an den Tag legt.

Flache Strukturen und eine vernetzte Arbeitsweise stellen die Weichen, um die digitale Transformation zu meistern. Von wirtschaftlichen Überlegungen abgesehen ist eine Neustrukturierung in diesem Sinne vor allem eine operative Maßnahme, die Unternehmen auf die Anforderungen einer digitalisierten Industrie vorbereitet.

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