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PHARMAUNTERNEHMEN BRAUCHEN EINEN DIREKTEN DRAHT ZUM PATIENTEN

Artikel von Michael Huber

Der direkte Zugang zu digitalen Patientendaten hebt die Medikamenten-entwicklung auf ein neues Level.


Gesundheitsrelevante Daten aus den unterschiedlichsten digitalen Quellen bieten Pharmaunternehmen die Chance, ihre Produktentwicklung auf eine neue Ebene zu heben. Der direkte Zugang zu diesen Daten ist mit vielen Hindernissen verbunden, doch es ist der einzige Weg, neue digitale Wettbewerber abzuwehren und unerwünschte Abhängigkeiten zu vermeiden.

Die Entwicklung, Erprobung und Verbesserung neuer Medikamente setzt die Verfügbarkeit einer großen Menge an Daten aus unterschiedlichen Quellen voraus. Dazu gehören Labordaten, klinische Studien sowie Patienten-Feedback, das über die behandelnden Ärzte kommt. Gleichzeitig sind die Verfügbarkeit und die Qualität der Daten einschränkende Faktoren. Studiendaten beziehen sich beispielsweise auf Resultate einer geringen Anzahl von Probanden und haben deshalb eine beschränkte Aussagekraft, Patienten-Feedback muss erst den langen Weg über die behandelnden Ärzte nehmen bis es die Pharmaunternehmen erreicht.

Die Digitalisierung hat das Potential, viele dieser Einschränkungen aufzuheben und die Entwicklung von Medikamenten zu revolutionieren. Möglich wird dies durch die Verfügbarkeit von Daten, die über digitale Kanäle vorliegen und diagnostische oder therapeutische Relevanz besitzen. Mögliche Quellen solcher Daten sind Monitoring- und Diagnosegeräte in Krankenhäusern, Sensoren von intelligenten Armbändern und Fitness-Uhren, Kommentare über einzelne Medikamente in den sozialen Medien und viele weitere.

Das Potenzial digitaler Patientendaten und die Vielfalt ihrer Einsatzmöglichkeiten für die Pharmaindustrie sind nicht zu unterschätzen. Über Sensordaten lassen sich zum Beispiel Symptome erkennen, die Hinweise auf sich anbahnende Krankheiten liefern. Das Monitoring von Patienten führt zu einem besseren Verständnis der Pathologie bestimmter Erkrankungen, bis hin zur Entwicklung individualisierter Therapieformen, bei welchen die Zusammensetzung und Dosierung von Medikamenten optimal auf den einzelnen Patienten eingestellt werden kann.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Entscheidend für diese Einsatzgebiete ist jedoch die Fähigkeit der Pharmaunternehmen, die Vielzahl der gewonnenen Daten richtig interpretieren zu können. Erst die Auswertung durch ausgereifte Analysen macht sie für Pharmaunternehmen wertvoll. Hierzu gehören auch die Echtzeitauswertung sowie die Analyse von Daten aus sehr unterschiedlichen Quellen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.

Echtzeitanalysen erlauben einem Pharmaproduzenten zu überprüfen, wie genau Medikamente direkt nach der Einnahme wirken und ob die Patienten oder Probanden sich an Vorgaben halten, um gegebenenfalls einzugreifen. Die Kombination von Daten aus unterschiedlichen Quellen schafft neue Möglichkeiten, Antworten auf Fragestellungen zu ermitteln, die sich erst über die Beobachtung und Analyse dieser Daten ergeben. Mögliches Resultat solcher Analysen ist beispielsweise die Identifizierung von Kausalitäten, die mit den Ursachen bestimmter Krankheiten verknüpft sind. Eine weitere Möglichkeit der digitalen Analyse ist der Vergleich mehrerer Studien zum gleichen Themengebiet, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Auf dieser Basis ließe sich herausfinden, welcher Patiententypus unter welchen Voraussetzungen welche Therapie und Medikation benötigt.

Zudem lässt sich die Qualität von Studien durch die Verwendung von Simulationen entscheidend verbessern. Dabei werden zunächst einzelne oder Kombinationen von mehreren Medikamenten an "virtuellen Patienten" getestet. Die Basis solcher Simulationen bilden Therapie- und Patientendaten, die sich auf eine große Anzahl existierender Personen beziehen. Moderne Datenbanken und Analyse-Tools erlauben eine schnelle Verarbeitung dieser Daten, so dass kurzfristig brauchbare Ergebnisse vorliegen können.

Eine neue digitale Konkurrenz wächst heran

Dass sich Pharmaunternehmen den Zugang zu sogenannten Real-World-Daten sichern, ist das Gebot der Stunde. Denn es sind diese Daten, die bei der Medikamentenentwicklung einen direkten Bezug zwischen Labor und Außenwelt herstellen.

Allerdings gibt es auf dem Weg dorthin noch viele offene Fragen, die beantwortet werden müssen, insbesondere die des Datenschutzes. Gesundheitsrelevante Daten sind mit einer hohen persönlichen Sensibilität verknüpft. Zwar geht die jüngere Generation viel freizügiger mit persönlichen Daten um, gleichzeitig entwickelt sich aufgrund vieler negativer Vorfälle in jüngster Vergangenheit in diesem Bereich momentan ein höheres Bewusstsein für die Privatsphäre.

Der Zugang zu Patientendaten ist außerdem von der Schaffung der richtigen Anreize für Patienten abhängig. Nicht zuletzt dank der neueren Krankenversicherungspolicen, bei denen die Höhe der Beiträge von der Herausgabe von gesundheitsrelevanten Daten an die Versicherung abhängig ist, steigt bei den Versicherten das Bewusstsein über den Wert dieser Daten. Und nicht nur bei ihnen. Große Internetfirmen wie Amazon, Apple oder Google, die eine beträchtliche Anzahl von Kunden besitzen und über intelligente Geräte in ständigem Kontakt mit ihnen sind, sehen inzwischen im Handel mit Patientendaten einen Wachstumspfad für sich.

Die Pharmaindustrie kann nicht früh genug damit anfangen, die Weichen für eine fortgeschrittene Verarbeitung vorhandener Daten und die Erschließung neuer digitaler Datenquellen zu stellen. Die nächste Stufe in der Entwicklung neuer Therapiemethoden als auch ihre Fähigkeit, die Konkurrenz aus der digitalen Welt abzuwehren, wird davon abhängen.

 

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